Einleitung
In vielen Projekten herrscht nach wie vor die Einstellung: „Wir führen die Umstellung am Wochenende durch.“ Doch dieser Ansatz ist gefährlich. Projekte scheitern, weil Go-Live-Termine willkürlich festgelegt, regulatorische Anforderungen ignoriert und die Geschäftskontinuität nicht berücksichtigt werden.
Die Umstellung ist keine spontane Aktion, sondern eine Disziplin für sich. Wer sie als „Wochenendveranstaltung“ betrachtet, riskiert Chaos und das Scheitern des Projekts.
Das Problem mit der Umstellung am Wochenende
Viele Unternehmen betrachten die Umstellung als „Ziellinie“: ein einmaliges Ereignis, das schnell hinter sich gebracht werden muss. Typische Aussagen lauten:
- „Das ist einfach der beste Zeitpunkt.“
- „Das ist eine Vorgabe der Geschäftsleitung.“
- „So wurde es verkauft – jetzt muss es funktionieren.“
Diese Haltung übersieht jedoch entscheidende Faktoren:
- Weltweite Feiertage: Eine Inbetriebnahme am 25. Dezember ist keine gute Idee.
- Gesetzliche Beschränkungen: In einigen Ländern sind Systemmigrationen an bestimmten Tagen verboten.
- Marketingkampagnen: Ein Start darf nicht mit einer Kampagne kollidieren.
- Kulturelle Sensibilitäten: Internationale Teams haben unterschiedliche Arbeitsrhythmen.
Fallstudie: Der gescheiterte Go-Live am Wochenende
Ein internationales Einzelhandelsunternehmen plante die Umstellung „über das Wochenende“.
- Freitagabend: Die Systeme wurden heruntergefahren.
- Samstag: Die Migration dauerte länger als geplant.
- Sonntag: Die Tests waren unvollständig.
- Montag: Die Mitarbeiter konnten nicht arbeiten; Kundenbestellungen blieben unbearbeitet.
Das Ergebnis: Verluste in Millionenhöhe, chaotische Anrufe bei der Hotline und ein Projekt, dessen Stabilisierung Monate in Anspruch nahm.
Warum Excel keine geeignete Methode für die Umstellung ist
Viele Teams improvisieren mit Excel-Tabellen und E-Mails. Dies führt zu:
- Fragmentierte Tool-Integration: Keine zentrale Steuerung.
- Fehlende Governance-Matrix: Die Zuständigkeiten bleiben unklar.
- Überlastung des Cutover-Managers: Anstatt strategische Aufsicht auszuüben, wird er zum „Müllmann“ für ungelöste Aufgaben.
Risiken vs. bewährte Verfahren
| Typische Risiken bei der Umstellung am Wochenende | Bewährte Verfahren für eine strukturierte Planung |
|---|---|
| Willkürlich festgelegter Go-Live-Termin | Strategische Go-Live-Strategie mit klaren Kriterien |
| Nicht berücksichtigte Feiertage und gesetzliche Anforderungen | Frühzeitige Compliance-Analyse und regulatorische Planung |
| Improvisierte Excel-Listen | Verwendung von Vorlagen und Governance-Matrix (CoGM) |
| Fehlende Maßnahmen zur Geschäftskontinuität | BCM-Tests, Ausweichstrategien und Resilienzplanung |
| Cutover-Manager als „Feuerwehrmann“ | Klare Rollen, RACI-Logik und Eskalationswege |
| Die Illusion des „Flip-Switch“ | 5-Phasen-Modell: Go-Live-Strategie, Cutover-Plan, Testquadrant, Cutover(i) Phase des 5-Phasen-Modells: Durchführung des produktiven Übergangs; umfasst technische Umschaltung und operative Umsetzung. (ii) Punktueller Übergang eines Projekts in die produktive Umgebung. (iii) Produktive Umstellungsphase eines IT-Systems, oft unter Zeitdruck und hoher Koordinationsdichte., HypercarePhase des 5-Phasen-Modells: Stabilisierung nach Go-Live; umfasst Support, Monitoring und Übergabe an den Regelbetrieb. |


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